Unsere Ziele:

Die Arbeitsgemeinschaft der Rotmilanfreunde Lippe im Naturwissenschaftlichen und historischen Verein für das Land Lippe e.V. stellt in diesem Blog ihre Arbeit vor. In Lippe befindet sich ein Dichtezentrum der Rotmilanverbreitung. Die lippischen Rotmilane werden kartiert und erforscht, um einen optimalen Schutz zu ermöglichen.

Freitag, 20. Mai 2016

50. Geburtstag

Unser Rotmilanfreund Heiko Seyer ist 50 Jahre alt geworden. Wir gratulieren Dir recht herzlich und wünschen Dir alles Gute und vor allem beste Gesundheit für Deinen weiteren Lebensweg. Heiko setzt sich mit uns zusammen seit vielen Jahren für den Schutz des roten Drachens ein. Er kennt wie kein Zweiter einen Großteil der lippischen Reviere und Brutplätze. Ständig und immer wieder ist Heiko mit viel Begeisterung und Engagement auf der Suche nach neuen Horsten. Daneben trägt er die vielen Beobachtungen unserer "Flügelmarkenmilane" zusammen und hat die Korrespondenz  mit den Meldern im In- und Ausland übernommen. Wir sind Dir für diese, aber auch die anderen überaus wichtigen Arbeiten sehr dankbar und freuen uns mit Dir auf die kommenden Jahre.


Donnerstag, 19. Mai 2016

Zwei zurück in Lippe

Die Kreisstraße zwischen Cappel und Kleinenmarpe ist eine eher häufig befahrene Straße. Eigentlich, nun aber, wo in Kleinenmarpe die Ortsdurchfahrt neu gebaut wird, ist es ruhiger mit dem Straßenverkehr geworden. Eine gute Gelegenheit für mich, um am Straßenrand ungestört, eine große Zahl von Greifvögeln zu beobachten, die hinter einem pflügenden Landwirt patrouillierten. Es waren meist Mäusebussarde, unter ihnen aber auch zahlreiche Rot- und Schwarzmilane, die hier nach Nahrung suchten. Zwei der Rotmilane hatten Flügelmarken. Der mit dem Flügelmarkencode 6B, war auffällig hellgefärbt und wies schon einige Mauserlücken an den Flügeln auf. Ein kurzes Telefonat mit Heiko und ich kannte Geburtsjahr und -stätte des Milans. Er hatte 2014 bei Vahlhausen das Licht der Welt erblickt. Den Winter 2015/2016 verbrachte er erfolgreich in der Extremadura (wir berichteten). Jetzt ist er weder zurück in Lippe, seine Geburtsstätte liegt nur knapp 9 Kilometer südlich vom heutigen Beobachtungsort entfernt. Übrigens, das helle Federkleid hat der Jungmilan von seinem Vater geerbt. Der zweite Flügelmarkenmilan 3J ist ein 2015er Rotmilan und kommt aus Niewald. Das konnte mir Heiko auch berichten.

Rotmilan 3J als Küken
Vahlhauser Rotmilanküken 6B, B2 und 3B (von links)

Samstag, 14. Mai 2016

Herforder Rotmilan

Jetzt haben wir Gewissheit. Es ist nicht Rotmilan PH, der im bekannten Horst in Herford, am Stadtrand zu Bielefeld, brütet. Es ist ein Weibchen ohne Flügelmarken, das den Platz von "unserem" Rotmilan eingenommen hat. Rotmilane sind eigentlich bekannt für eine hohe Revier- und Partnertreue. Ein Paar bleibt über die Brutsaison zusammen. Kommt ein Partner um, wird er aber meistens sehr schnell ersetzt. Vielleicht hat dieses Schicksal auch PH ereilt. Wir wissen es nicht. Es ist auch nicht bekannt, ob sie überhaupt den Weg aus dem Überwinterungsgebiet zurück an den Herforder Brutplatz gefunden hat. Das "neue" Weibchen brütet seit Anfang April. Wir werden über das Herforder Rotmilanpaar und seine Brut weiter berichten, auch wenn PH nicht mehr dabei ist.

Rotmilanweibchen am Brutplatz

Freitag, 13. Mai 2016

Wachendes Auge

Die Brutzeit ist für alle Vogelarten eine sehr zentrale und wichtige Phase. Nur eine erfolgreiche Brut sichert den Bestand einer Population. So versucht unser Lippischer Rotmilanfreund, die Brutvögel in dieser Phase so wenig wie möglich zu stören. Bei den Rotmilanen sind bereits die ersten Küken geschlüpft. Die ältesten von ihnen sind schon fast vierzehn Tage alt. So auch bei den Donoper Rotmilanen. Auf dem Erdboden unter dem Horst findet man schon Kotspuren, den sogenannten Schmelz. Ein untrügerischer Zeichen, dass "was los ist" in der Kinderstube des Rotmilans. In den ersten Wochen gibt es bei den Altvögeln eine klare Aufgabenverteilung. Das Männchen schafft die Nahrung heran und das Weibchen verfüttert diese an die Küken. Bei kalter und nasser Witterung hudert es zudem den Nachwuchs. Das ist ganz wichtig für die heranwachsenden Küken. Und immer hat das Rotmilanweibchen dabei ein wachendes Auge auf das, was unter und über dem Horst geschieht. So bleibt auch dieser Kontrollgang unseres Lippischen Rotmilanfreundes natürlich nicht unbemerkt.

Aufmerksames Rotmilanweibchen

Mittwoch, 11. Mai 2016

Kein Mäusejahr?

Das Nahrungsspektrum des Rotmilan ist sehr vielfältig. Er ernährt sich hauptsächlich von Kleinvögeln, Aas, Insekten und Regenwürmern. Aber auch Kleinnager wie z.B. Wühlmäuse gehören dazu. Und hauptsächlich dann, wenn Wiesen und Felder abgeerntet werden. Dann patroullieren die Rotmilane dicht hinter den Traktoren oder Erntemaschinen und greifen verletzte oder getötete Mäuse auf. In manchen Jahren, wenn sich auf vielen Feldern und Wiesen Mauseloch an Mauseloch reiht, dann stehen auch die Kleinnager ganz oben auf der Speiseliste der Rotmilane. Solche Jahre sprechen Biologen wie auch Landwirte als sogenannte "Mäusejahre" an. Letztes Jahr war so eines. Und dieses Jahr? Es scheint nur wenige Mäuse zu geben. Ich sah heute auf einem großen, frisch gemähtem Grasacker kaum ein Mausloch. Das haben vermutlich auch die, über mir kreisenden Rot- und Schwarzmilane bemerkt, nur ganz selten stieß einer von ihnen zu Boden und sie verschwanden überraschend schnell wieder am Horizont, meistens ohne Beute. Schwere Zeiten jetzt für andere Greifvogelarten wie dem Mäusebussard und Turmfalken, die sich auf Kleinnager spezialisiert haben. Vermutlich geht es da dem Rotmilan etwas besser.

Mahdzeit im Rotmilandichtezentrum Blomberg
Frisch gemähter Grasacker
Rüttelnder Turmfalke

Horstwechsel

Rotmilane wechseln gelegentlich ihren Horst. Viel häufiger als der Mäusebussard, der seinen Horst über viele Jahre nutzen kann. Das trifft auch für manches Rotmilanpaar zu, andere wiederum wechseln regelmäßiger den Horst. Vor allem Brutaufgaben oder starker Holzeinschlag führen oft zu einem Horstwechsel im Folgejahr. Manchmal, so meinen wir, liegt aber eigentlich kein Grund dafür vor. So auch in diesem Jahr. Auffallend viele Rotmilanpaare haben ihren Brutplatz gewechselt, trotz erfolgreicher Brut im Vorjahr. Manchmal wurde der neue Horst nur wenige Meter vom alten Brutplatz entfernt neugebaut. Ein anders Mal errichtete das Paar über einen Kilometer entfernt einen neuen. Oft haben wir den neuen Horst entdeckt, manchmal aber auch nicht. Ein Beispiel, wo uns das gelang, ist der Brutplatz eines Lagenser Rotmilanpaares. Letztes Jahr hatten die Rotmilane einen Wechsel ins Detmolder Stadtgebiet vollzogen. Der Horstbaum war bei einem Sturm entwurzelt worden. In diesem Jahr sind sie wieder zurück im langjährigen Horstwald.

Rotmilanweibchen brütet im neuen Horst
Rotmilanmännchen patrouilliert über dem Horstwald
Verlassener Horst aus dem Vorjahr

Donnerstag, 21. April 2016

Umherstreifen

Unser Jungmilan 4J hat gar nicht gebummelt. Er war schon am 7. April dieses Jahres zurück an seinem Geburtsort (wir berichten). Jetzt streift der Jungmilan umher. Es sind seine Lehrjahre. Bis zur Geschlechtsreife wird er ein eigenes Revier suchen. Wie viele andere Rotmilane auch, wird er dabei versuchen sich später in der Nähe des elterlichen Reviers anzusiedeln. Bis dahin muss er aber viele Gefahren meistern. Kollisionen mit Stromleitungen, Windrädern oder im Straßenverkehr sind möglich, aber er muss auch vor Prädatoren wie dem Uhu auf der Hut sein. Gerade junge, unerfahrene Milane fallen häufig der größten europäischen Eule zum Opfer. Am 21. April, also genau 14 Tage nach meiner Erstbeobachtung in Heßloh, konnte ich bei Hagendonop unseren Rotmilan 4J wiedersehen. Hier ist eines der lippischen Kerngebiete des Rotmilans. Aber auch Schwarzmilane kommen hier vor. Während ich mich über das Wiedersehen mit 4J freute, genoß er nach einer kurzen Flugrunde auf einem Feldgehölz die morgendliche Sonne.

Jungmilan 4J im Flug
Feldgehölz als Ruheplatz
Jungmilan 4J in der Morgensonne