Unsere Ziele:

Die Arbeitsgemeinschaft der Rotmilanfreunde Lippe im Naturwissenschaftlichen und Historischen Verein für das Land Lippe e.V. stellt in diesem Blog ihre Arbeit vor. In Lippe befindet sich ein Dichtezentrum der Rotmilanverbreitung. Die lippischen Rotmilane werden kartiert und erforscht, um einen optimalen Schutz zu ermöglichen.

Montag, 13. Juni 2016

"Ein Küken und ein Ei"

Bei der Beringung der Rotmilanküken liegt hin und wieder im Horst ein Ei. So auch am Tag zwei der diesjährigen Rotmilanberingung. Wir sind frühmorgens um kurz nach sieben Uhr an einem Rotmilanbrutplatz in Bad Salzuflen, dicht an der Kreisgrenze nach Herford. Das Rotmilanpaar hier ist in diesem Jahr umgezogen und hat wieder den alten, langjährigen Buchenhorst bezogen. Bereits der erste Schuss mit dem Big Shot passt und Nayden macht sich auf zum Horst in einer Höhe von knapp 27 m. Dort angekommen, ruft er von oben uns zu: "Ein Küken und ein Ei". Beides kommt nach kurzes Zeit unversehrt im Beutel unten an. Als erstes wird der Jungmilan beringt, vermessen und markiert. Dann ist das Ei an der Reihe. Das Ei des Rotmilans ist matt weiß, von kurz ovaler Form und sehr oft mit kleinen dunklen Flecken gesprenkelt. Dieses Ei hier hat aber nur wenige davon. Von der Größe her entspricht es in etwa einem Hühnerei der Gewichtsklasse M. Unser Rotmilanei scheint unbefruchtet zu sein. Anna hat es geschüttelt und deutlich ist dabei der flüssige Inhalt zu hören. Nachdem das Küken wieder oben im Horst ist, machen wir uns auf dem Weg zum nächsten Brutplatz. Das Ei aber ist unten geblieben.

Unbefruchtetes Rotmilanei
Rotmilanküken L9 nach der Beringung
Rotmilanküken L9 zurück im Horst

Beringung und Flügelmarken

Wir sind mit der Beringung der Rotmilanküken des Jahrgangs 2016 gestartet. Ziel waren zwei Brutplätze in Blomberg. Unser Team bestand aus Oliver Krüger, Nayden Chakarov, Heiko Seyer, Tobias Wienert und Jörg Westphal. Neu in diesem Jahr mit dabei ist Tobias. Er macht zur Zeit ein Praktikum bei der Unteren Landschaftsbehörde des Kreises Lippe. Wir starten in Donop, dem lippischen Storchendorf. Hier sind wir gespannt, wieviel Küken dieses Jahr im Horst sind. 2014 und 2015 waren es drei. Ein Horst, der zudem nicht leicht zu klettern ist. Ein erster Schuss von Nayden mit dem Big Shot, begleitet mit einem Blick durch das Fernglas. Ollie nickt, alles okay. Nayden klettert hinauf auf knapp 25 m Höhe. Es dauert nicht lange und er ruft uns zu die Zahl drei zu. Also sind es auch dieses Jahr wieder drei Küken. Unten am Boden bekommen sie nacheinander den individuellen Ring der Vogelwarte Helgoland, erst dann werden sie von Ollie vermessen und untersucht. Tobias protokolliert alles. Zum Schluss bekommen alle Küken ihre Flügelmarken. Bevor es für die jungen Rotmilane wieder nach oben in den elterlichen Horst zurück geht, werden von allen noch Fotos gemacht. Dann geht es für uns auf der Ostwestfalenstraße weiter Richtung Blomberg. Nach knapp fünfzehn Minuten Fahrtstrecke sind wir am zweiten Rotmilanhorst. Auch hier sind es drei Küken, die von Ollie den Ring fürs Leben bekommen. Sie sind etwas jünger als der Nachwuchs aus Donop. Anhand der Flügellängenmessung ist eine gute Altersschätzung möglich. Etwa fünf Wochen sind hier die Nestlinge alt. Zwei Rotmilanhorste mit insgesamt sechs gesunden und markierten Küken, wir sind mit dem Start in die diesjährige Beringungssaison sehr zufrieden.

Oliver Krüger erklärt hier Tobias die Funktion des aktivierten Greifreflexes bei Vögeln
Drei sehr zufriedene Rotmilanfreunde (von links: Tobias, Oliver und Heiko)

Freitag, 20. Mai 2016

50. Geburtstag

Unser Rotmilanfreund Heiko Seyer ist 50 Jahre alt geworden. Wir gratulieren Dir recht herzlich und wünschen Dir alles Gute und vor allem beste Gesundheit für Deinen weiteren Lebensweg. Heiko setzt sich mit uns zusammen seit vielen Jahren für den Schutz des roten Drachens ein. Er kennt wie kein Zweiter einen Großteil der lippischen Reviere und Brutplätze. Ständig und immer wieder ist Heiko mit viel Begeisterung und Engagement auf der Suche nach neuen Horsten. Daneben trägt er die vielen Beobachtungen unserer "Flügelmarkenmilane" zusammen und hat die Korrespondenz  mit den Meldern im In- und Ausland übernommen. Wir sind Dir für diese, aber auch die anderen überaus wichtigen Arbeiten sehr dankbar und freuen uns mit Dir auf die kommenden Jahre.


Donnerstag, 19. Mai 2016

Zwei zurück in Lippe

Die Kreisstraße zwischen Cappel und Kleinenmarpe ist eine eher häufig befahrene Straße. Eigentlich, nun aber, wo in Kleinenmarpe die Ortsdurchfahrt neu gebaut wird, ist es ruhiger mit dem Straßenverkehr geworden. Eine gute Gelegenheit für mich, um am Straßenrand ungestört, eine große Zahl von Greifvögeln zu beobachten, die hinter einem pflügenden Landwirt patrouillierten. Es waren meist Mäusebussarde, unter ihnen aber auch zahlreiche Rot- und Schwarzmilane, die hier nach Nahrung suchten. Zwei der Rotmilane hatten Flügelmarken. Der mit dem Flügelmarkencode 6B, war auffällig hellgefärbt und wies schon einige Mauserlücken an den Flügeln auf. Ein kurzes Telefonat mit Heiko und ich kannte Geburtsjahr und -stätte des Milans. Er hatte 2014 bei Vahlhausen das Licht der Welt erblickt. Den Winter 2015/2016 verbrachte er erfolgreich in der Extremadura (wir berichteten). Jetzt ist er weder zurück in Lippe, seine Geburtsstätte liegt nur knapp 9 Kilometer südlich vom heutigen Beobachtungsort entfernt. Übrigens, das helle Federkleid hat der Jungmilan von seinem Vater geerbt. Der zweite Flügelmarkenmilan 3J ist ein 2015er Rotmilan und kommt aus Niewald. Das konnte mir Heiko auch berichten.

Rotmilan 3J als Küken
Vahlhauser Rotmilanküken 6B, B2 und 3B (von links)

Samstag, 14. Mai 2016

Herforder Rotmilan

Jetzt haben wir Gewissheit. Es ist nicht Rotmilan PH, der im bekannten Horst in Herford, am Stadtrand zu Bielefeld, brütet. Es ist ein Weibchen ohne Flügelmarken, das den Platz von "unserem" Rotmilan eingenommen hat. Rotmilane sind eigentlich bekannt für eine hohe Revier- und Partnertreue. Ein Paar bleibt über die Brutsaison zusammen. Kommt ein Partner um, wird er aber meistens sehr schnell ersetzt. Vielleicht hat dieses Schicksal auch PH ereilt. Wir wissen es nicht. Es ist auch nicht bekannt, ob sie überhaupt den Weg aus dem Überwinterungsgebiet zurück an den Herforder Brutplatz gefunden hat. Das "neue" Weibchen brütet seit Anfang April. Wir werden über das Herforder Rotmilanpaar und seine Brut weiter berichten, auch wenn PH nicht mehr dabei ist.

Rotmilanweibchen am Brutplatz

Freitag, 13. Mai 2016

Wachendes Auge

Die Brutzeit ist für alle Vogelarten eine sehr zentrale und wichtige Phase. Nur eine erfolgreiche Brut sichert den Bestand einer Population. So versucht unser Lippischer Rotmilanfreund, die Brutvögel in dieser Phase so wenig wie möglich zu stören. Bei den Rotmilanen sind bereits die ersten Küken geschlüpft. Die ältesten von ihnen sind schon fast vierzehn Tage alt. So auch bei den Donoper Rotmilanen. Auf dem Erdboden unter dem Horst findet man schon Kotspuren, den sogenannten Schmelz. Ein untrügerischer Zeichen, dass "was los ist" in der Kinderstube des Rotmilans. In den ersten Wochen gibt es bei den Altvögeln eine klare Aufgabenverteilung. Das Männchen schafft die Nahrung heran und das Weibchen verfüttert diese an die Küken. Bei kalter und nasser Witterung hudert es zudem den Nachwuchs. Das ist ganz wichtig für die heranwachsenden Küken. Und immer hat das Rotmilanweibchen dabei ein wachendes Auge auf das, was unter und über dem Horst geschieht. So bleibt auch dieser Kontrollgang unseres Lippischen Rotmilanfreundes natürlich nicht unbemerkt.

Aufmerksames Rotmilanweibchen

Mittwoch, 11. Mai 2016

Kein Mäusejahr?

Das Nahrungsspektrum des Rotmilan ist sehr vielfältig. Er ernährt sich hauptsächlich von Kleinvögeln, Aas, Insekten und Regenwürmern. Aber auch Kleinnager wie z.B. Wühlmäuse gehören dazu. Und hauptsächlich dann, wenn Wiesen und Felder abgeerntet werden. Dann patroullieren die Rotmilane dicht hinter den Traktoren oder Erntemaschinen und greifen verletzte oder getötete Mäuse auf. In manchen Jahren, wenn sich auf vielen Feldern und Wiesen Mauseloch an Mauseloch reiht, dann stehen auch die Kleinnager ganz oben auf der Speiseliste der Rotmilane. Solche Jahre sprechen Biologen wie auch Landwirte als sogenannte "Mäusejahre" an. Letztes Jahr war so eines. Und dieses Jahr? Es scheint nur wenige Mäuse zu geben. Ich sah heute auf einem großen, frisch gemähtem Grasacker kaum ein Mausloch. Das haben vermutlich auch die, über mir kreisenden Rot- und Schwarzmilane bemerkt, nur ganz selten stieß einer von ihnen zu Boden und sie verschwanden überraschend schnell wieder am Horizont, meistens ohne Beute. Schwere Zeiten jetzt für andere Greifvogelarten wie dem Mäusebussard und Turmfalken, die sich auf Kleinnager spezialisiert haben. Vermutlich geht es da dem Rotmilan etwas besser.

Mahdzeit im Rotmilandichtezentrum Blomberg
Frisch gemähter Grasacker
Rüttelnder Turmfalke

Horstwechsel

Rotmilane wechseln gelegentlich ihren Horst. Viel häufiger als der Mäusebussard, der seinen Horst über viele Jahre nutzen kann. Das trifft auch für manches Rotmilanpaar zu, andere wiederum wechseln regelmäßiger den Horst. Vor allem Brutaufgaben oder starker Holzeinschlag führen oft zu einem Horstwechsel im Folgejahr. Manchmal, so meinen wir, liegt aber eigentlich kein Grund dafür vor. So auch in diesem Jahr. Auffallend viele Rotmilanpaare haben ihren Brutplatz gewechselt, trotz erfolgreicher Brut im Vorjahr. Manchmal wurde der neue Horst nur wenige Meter vom alten Brutplatz entfernt neugebaut. Ein anders Mal errichtete das Paar über einen Kilometer entfernt einen neuen. Oft haben wir den neuen Horst entdeckt, manchmal aber auch nicht. Ein Beispiel, wo uns das gelang, ist der Brutplatz eines Lagenser Rotmilanpaares. Letztes Jahr hatten die Rotmilane einen Wechsel ins Detmolder Stadtgebiet vollzogen. Der Horstbaum war bei einem Sturm entwurzelt worden. In diesem Jahr sind sie wieder zurück im langjährigen Horstwald.

Rotmilanweibchen brütet im neuen Horst
Rotmilanmännchen patrouilliert über dem Horstwald
Verlassener Horst aus dem Vorjahr