Unsere Ziele:

Die Arbeitsgemeinschaft der Rotmilanfreunde Lippe im Naturwissenschaftlichen und Historischen Verein für das Land Lippe e.V. stellt in diesem Blog ihre Arbeit vor. In Lippe befindet sich ein Dichtezentrum der Rotmilanverbreitung. Die lippischen Rotmilane werden kartiert und erforscht, um einen optimalen Schutz zu ermöglichen.

Sonntag, 3. Juli 2016

"Carlos" wieder in Lippe

Jungmilan "Carlos" hat den Weg zurück nach Lippe gefunden. Am 29. Juni 2016 habe ich ihn am frühen Morgen in Brokhausen, seinem Geburtsort wieder gesehen. Sein letztes Lebenszeichen hatten wir am 4. Dezember 2015 aus Lleida in Katalonien bekommen. Bei seiner ersten erfolgreichen Überwinterung hat er somit für beide Zugwege eine Gesamtstrecke von über 2.600 Kilometer zurückgelegt. Eine erstaunliche Leistung. Seine Geburtstätte, ein kleines Waldstück nördlich von Brokhausen, liegt nur knapp einen Kilometer vom Beobachtungspunkt entfernt. Den Überlandleitungsmast, auf dem ich G1 zusammen mit einem jungen Schwarzmilan gesichtet habe, wird auch von seinen Eltern im Herbst regelmäßig als morgendlicher Rastplatz genutzt. Bestimmt hat er sie in diesen Tagen bereits getroffen. Gefreut über die erneute Sichtung von Rotmilan G1 hat sich übrigens auch sein Pate Karl-Heinz Busch.

Rotmilan G1 rastet auf einem Überlandleitungsmast bei Brokhausen
G1 und seine beiden Geschwister nach der Beringung

Freitag, 1. Juli 2016

"Vier Küken"

Das ruft uns Nayden von oben zu. Wir sind in Holzhausen, dem letzten Rotmilanbrutplatz für heute. Der zweite Beringungstag neigt sich damit dem Ende. Ein schöner Abschluß, denn mit vier Küken haben wir nicht mehr gerechnet. Ein Jahr mit wenig Mäusen und vielen Brutabbrüchen, nicht nur beim Mäusebussard, sondern auch beim Rotmilan. So gehen wir mit viel Freude an die Beringung der vier Nestlinge. Alle sind gesund und gut ernährt. Nachdem sie nacheinader vermessen und untersucht sind, geht es wieder nach oben in den Horst. Ein kleiner Horst, gerade mal 65 x 45 x 33 cm groß, eigentlich zu klein für die noch nicht ausgewachsenen Jungmilane. Eine Sorge, die nicht ganz unbegründet ist. Denn im letzten Jahr sind hier zwei Küken aus dem Horst gefallen. Beide haben den Absturz nicht überlebt. Aber daran denken wir nicht, als wir den Brutplatz glücklich und zufrieden an diesem Tag verlassen.

Vier Küken nach der Beringung
Dicht gedrängt im elterlichen Horst

Nachwuchs bei Herforder Rotmilanen

Das Herforder Rotmilanpaar am Stadtrand von Bielefeld (wir berichteten) hat erfolgreich gebrütet. Auf dem Weg zur Arbeit bin ich in den vergangenen Monaten regelmäßig am Brutplatz vorbeigefahren und fast immer konnte ich einen Blick in die Kinderstube werfen. Ohne die Rotmilane dabei zu stören, denn der Horst läßt sich gut aus dem Auto heraus beobachten. Auch später als der Horstbaum grünte. Am 1. April begann das Weibchen mit dem Brüten. Das erste Küken sah ich Anfang Mai. Ein noch sehr wackeliger Kopf streckte sich für einen ganz kurzen Moment über den Horstrand. Bereits wenige Tage später entdeckte ich ein zweites Küken. Mitte Mai zeigten sich mir dann insgesamt drei Küken, eine stattliche Zahl, die von nun an regelmäßig gefüttert werden musste. Eine für das Männchen und später auch für das Weibchen wahrlich nicht einfache Aufgabe. Beide haben es aber geschafft, im Gegensatz zu vielen anderen Rotmilanpaaren, die wegen Nahrungsmangel ihre Brut aufgaben. Inzwischen sind aus den drei Küken Ästlinge geworden. Sie sitzen meistens auf den horstnahen Ästen, sind dann oft  nicht zu sehen. Im Horst zeigen sie nur sehr selten. In wenigen Tagen beginnen die drei Jungmilane mit den ersten Flügen. Meistens sind diese ganz kurz und enden oft mit einer unbeholfenen Landung, denn nicht nur das Fliegen will gelernt sein. Doch mit jedem Flug und jeder Ladung werden sie immer besser und irgendwann haben sie den elterlichen Horst für immer verlassen. Wie auch die meistens unserer Jungmilane in Lippe.

Wenige Tage alte Küken

Ein letztes Mal zusammen im Horst

Dienstag, 21. Juni 2016

Neues vom Liebingsmilan

Unser Lippischer Rotmilanfreund hat einen Liebingsmilan. Es ist F9 (wir berichteten). Jetzt gibt es neue Nachrichten von ihm. Er wurde am 16. Mai 2016 im niedersächsischen Bassum gesichtet. So war die Freude über das neue Lebenszeichen sehr groß, nicht nur bei uns. Im August letzten Jahres hat ihn unser Rotmilanfreund in der Nähe des elterlichen Horstes das letzte Mal gesehen. Danach hat sich die Spur von F9 verloren. So sind seine Zugwege genauso unbekannt wie sein Überwinterungsplatz. Unser Rotmilanfreund kennt aber den aktuellen Aufenthaltsort seines Liebingsmilans ganz gut. Bassum liegt in der Diepholzer Moorniederung, dort wo jedes Jahr im Herbst und Frühjahr zehntausende von Kranichen rasten. Dorthin kommt auch er jedes Jahr, um immer wieder aufs Neue das faszinierende Schauspiel des tanzenden Kraniche zu erleben. Und er ist sich sicher, dass sein Lieblingsmilan schon bald wieder zurück in Lippe ist.

Rotmilan F9 als Küken

Rastende Kraniche in der Diepholzer Moorniederung
Kraniche im Flug

Montag, 20. Juni 2016

Rotmilane vom Beller Feld

Bereits zum zweiten Mal sind wir zur Beringung am Rotmilanbrutplatz Beller Feld. Wie im letzten Jahr sind auch dieses Mal zwei Küken im Horst. Das hat die Horstkontrolle von Heiko im Vorfeld ergeben. Das Rotmilanpaar brütet seit zwei Jahren in einer Weide, knapp 20 m über dem Erdboden. Ein recht kleiner Horst, aber genau passend für die beiden Nestlinge. Die Rotmilanküken werden gerade von Anna untersucht und vermessen, als Robin Jähne überraschend vorbeischaut. Er ist erst seit wenigen Tagen von einem Filmprojekt aus dem Oman zurück. Robin dreht dort einen Film über den bedrohten Schieferfalken. Für uns ein gelungene Abwechslung, denn er berichtet uns nun exklusiv von seinen Höhepunkten während der Dreharbeiten. Er findet aber dennoch Zeit für ein paar Fotoaufnahmen von unseren Hauptdarstellern, den beiden jungen Rotmilanen vom Beller Feld.

Rotmilanberingung im Beller Feld (von links: Anna, Heiko und Tobias)
Vermessung eines Rotmilankükens
Naturfilmer in Aktion

Samstag, 18. Juni 2016

Lüerdisser Jungmilane

Nachdem wir am zweiten Tag mit der Beringung in Bad Salzuflen gestartet waren, ging es dann nach Lüerdissen, einem Ortsteil im Norden von Lemgo. Hier befindet sich seit einigen Jahren in einem kleinen Wäldchen ein Rotmilanbrutplatz. Wir sind aber zum ersten Mal hier um die Küken zu beringen und markieren. Nayden, der wieder einmal als Baumkletterer im Einsatz ist, signalisiert uns, dass der Horst erkletterbar ist. Das ist gut, denn für jeden Baumkletterer ist der sichere Zugang zum Horst das Wichtigste. Idealerweise sind dafür einige ausreichend starke und intakte Äste knapp über dem zu erkletternden Horst notwendig. Den Verankerungspunkt der Seilsicherung findet der Baumkletterer mit einem geschulten Blick durchs Fernglas. Ein große Hilfe dabei ist auch die Bigshot Baumschleuder. Hier ist Nayden geübt, bereits der zweite Schuss sitzt. Und wenig später erreicht der Beutel mit drei Nestlingen den Boden. Alle drei Jungmilane sind gesund und gut ernährt. Das weist auf jagderfahrene Elternvögel und ein nahrungsreiches Revier hin. So haben die Jungmilane eine gute Chance flügge zu werden. Nach einer dreiviertel Stunde verlassen wir wieder den Brutplatz. Vielleicht sehen wir die drei Nestlinge aus Lüerdissen im September an einem der bekannten Sammelplätze in Lippe wieder. Es würde uns freuen.

Lüerdisser Jungmilane in den Händen (von links: Tobias, Heiko und Anna)

Mittwoch, 15. Juni 2016

Nesthäkchen

Beim Rotmilan schlüpfen die Küken zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Das erstgeschlüpfte Küken ist, wenn es nicht krank oder verletzt wird, immer auch das größte. Der Größenunterschied bei den Nestlingen kann bei Vierer-, aber auch schon bei Dreierbruten oft beträchtlich sein. Was wir bei der Beringung der Rotmilane immer wieder feststellen. Der jüngste Nestling hat es bei vielen Greifvogelarten dann oft schwer, bei der Fütterung genügend Nahrung abzubekommen. Bei Nahrungsmangel wird es häufig sogar an die älteren Geschwister verfüttert. Ein Vorgang, der als "Kainismus" bezeichnet wird. Glücklicherweise kommt er bei Rotmilanen nur selten vor. Die Nestlinge einer Brut sind untereinander friedlich und so überlebt in vielen Fällen auch das Nesthäkchen. Das wird hoffentlich auch bei der Dreierbrut in Bad Salzuflen der Fall sein, die wir am zweiten Tag beringt haben.

Nesthäkchen nach der Beringung
Drei Nestlinge wieder im Horst (rechts das Nesthäkchen)
 

Dienstag, 14. Juni 2016

Schwarzmilanberingung

Im Kreis Lippe kommt neben dem Rotmilan auch der Schwarzmilan vor. Beide Arten sind eng miteinander verwandt. Sie ähneln sich sehr in Aussehen und Lebenweise. Im Gegensatz zu seinem nächsten Verwandten ist das Gefieder des Schwarzmilans jedoch dunkelbraun gefärbt und sein kürzerer Schwanz ist weniger stark gegabelt. Wie der Rotmilan, ist auch er ein sehr geselliger Vogel. Besonders ausgeprägt ist dies beim Zug ins Winterquartier nach Afrika oder Südeuropa. Dann kommt es immer wieder zu größeren Ansammlungen. So überqueren an manchen Tagen bis zu einigen hundert Schwarzmilanen die Meerenge von Gibraltar. Vielleicht sind Geselligkeit und nahe Verwandschaft Grund dafür, dass auch bei uns in Lippe recht häufig Rot- und Schwarzmilane in direkter Nachbarschaft brüten. So beringen und markieren wir neben den Rotmilanen jedes Jahr auch einige wenige Schwarzmilanküken. Am diesjährigen zweiten Beringungstag waren wir dazu in Bad Salzuflen. Hier haben Schwarzmilane einen Horst ihren alten Besitzern, einem Rotmilanpaar streitig gemacht und auch erfolgreich gebrütet. Genauso wie die Rotmilane, die nur wenige Meter entfernt einen neuen Brutplatz bezogen haben. Dank der Hilfe von Anna und Nayden haben wir drei Küken beringt, zwei davon haben auch Flügelmarken bekommen. Als gerngesehener Gast mit dabei war auch der Herforder Ornithologe Timo Schubert.

Schwarzmilanberingung (von links: Anna, Heiko und Timo Schubert)
Schwarzmilanküken im elterlichen Horst
Beringte und markierte Schwarzmilanküken